vom 25.10.2014 – Seite 19 – Französischer Dom bleibt dunkel

 

vom 25.10.2014 – Seite 19

Französischer Dom bleibt dunkel

Erst 2016 erfolgt Reparatur. Anrainer sind fassungslos

VON UWE AULICH

Der Französische Dom auf dem Gendarmenmarkt wird offenbar sehr lange unbeleuchtet bleiben. Zumindest die Turmbeleuchtung wird der Bezirk Mitte vorerst nicht instandsetzen lassen. Wie die für die Immobilie zuständige Stadträtin Sabine Smentek (SPD) am Freitag mitteilen ließ, seien die ursprünglich im Fußbodenbereich der Aussichtsplattform installierten Strahler, die die Domkuppel beleuchten, dauerhaft defekt. Bei Starkregen, Schnee und Frost sei die Beleuchtungsanlage immer wieder ausgefallen. Wegen der Baukonstruktion und eines zu geringen Gefälles der Plattform sei Wasser eingedrungen, so die Erklärung. Ende 2012 fiel dann die gesamte Turmbeleuchtung aus.

Eine Fachfirma hat nach Angaben des Bezirks nun festgestellt, dass eine Reparatur der Anlage nicht so einfach möglich ist. Auch neue Fußbodenstrahler würden immer wieder ausfallen, befürchten die Fachleute. Möglicherweise müssten neue Wandstrahler installiert werden. Damit müsste aber die Denkmalschutzbehörde einverstanden sein, auch muss eine neue Beleuchtung ein Erscheinungsbild erzeugen, das ähnlich wie gegenüber am Deutschen Dom wirkt.

3,3 Millionen Euro für Sanierung

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass im Französischen Dom eine komplett neue Elektroanlage installiert wird. Für die Innensanierung des Doms wurden dem Bezirk im vergangenen Jahr 3,3 Millionen Euro zugebilligt – allerdings erst für die Jahre 2016 bis 2018. Sollte diese Auskunft ernst gemeint sein, ist klar: Der Französische Dom wird auch 2015 dunkel bleiben. Die Turm-Finsternis hat damit immer mehr das Zeug zu einer Posse. Übrigens gab es in dieser Woche auch einen technischen Defekt an der Beleuchtungsanlage für die Sockelgebäude, so dass der gesamte Bau im Dunkeln lag. Dieser Defekt soll aber kurzfristig behoben werden.

Angesichts der angekündigten Dauer-Finsternis sind die Anrainer vom Verein der Freunde und Förderer des Gendarmenmarktes entsetzt. „Da fehlen mir die Worte“, sagt Vizechef Frank Keidel. „Das zeigt, wie lieblos die Stadt mit dem Gendarmenmarkt umgeht.“ Touristisch sei das ein Desaster – ein unhaltbarer Zustand. Zumal die Sanierung des 1780 bis 1785 errichteten Gebäudes erst kürzlich erfolgte: 2006 wurde die Fassade für rund sechs Millionen Euro saniert.

Die Gendarmenmarkt-Freunde setzen sich für den Erhalt und die Pflege des prominenten Platzes ein und hatten es in dieser Woche als Skandal bezeichnet, dass eine Hälfte des Platzes im Dunkeln liegt. Nun fordert Keidel den Bezirk auf, sich mit den Betreibern des Deutschen Doms in Verbindung zu setzen, der ähnlich gebaut ist – dort funktioniert die Beleuchtung trotz Regen und Schnee.